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Die festliche Zeit rückt näher und mit ihr die Frage nach dem perfekten Geschenk. Immer wieder taucht dabei die Idee auf, einem geliebten Menschen ein Haustier zu schenken.  Doch ist das wirklich eine gute Idee?  FAMILIEN H(erz) sprach mit Dr. Anne Schilling, Tierärztin im renommierten Tierheim „Tierschutzverein Chemnitz und Umgebung e.V.“, über die Verantwortung von Haustieren zu Weihnachten.

Wie ist Ihre generelle Meinung zum Verschenken von Haustieren zu Weihnachten?

Dr. Anne Schilling (AS): Generell halte ich es für akzeptabel, wenn der Wunsch nach einem Tier in einer Partnerschaft besteht und die Entscheidung gut durchdacht ist. Es wird problematisch, wenn Tiere an Kinder verschenkt werden, insbesondere zu Weihnachten. Dies ist inakzeptabel, da Kinder unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung sind und die Verantwortung für ein Tier nicht immer tragen können.

Warum halten Sie es für inakzeptabel, Kinder mit Tieren zu beschenken?

AS: Besonders zu Weihnachten ist es schwierig, da kleine Kinder oft noch nicht in der Lage sind, die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Es besteht die Gefahr, dass das Tier als bloßes Geschenk angesehen wird und nicht als eigenständiges Lebewesen.

Bei älteren Kindern, die die Verantwortung übernehmen können, mag es anders sein, aber grundsätzlich sollte die Entscheidung gut überlegt sein und von Anfang an anders kommuniziert werden.

Was raten Sie Eltern, die Tiere verschenken möchten?

AS: Man sollte immer hinterfragen, warum man ein Tier verschenken möchte. Wenn der Wunsch nach einem Tier schon länger besteht und die passende Situation vorhanden ist, kann man das Tier auch einfach als Familienzuwachs akzeptieren, ohne es als Geschenk zu kommunizieren. Es ist wichtig, von der Vorstellung des Tieres als Geschenk wegzukommen.

Haben Sie im Tierheim Fälle erlebt, in denen Tiere nach Weihnachten zurückgebracht wurden?

AS: Ja, das kam in meiner Kindheit öfter vor, hat sich aber mittlerweile gebessert. Das Problem ist, dass Tiere oft erst zurückkommen, wenn einige Wochen vergangen sind und festgestellt wird, dass das Tier doch nicht ins Leben der Familie passt. Oftmals sind es dann die Kinder, die das Interesse verlieren, da sie die Verantwortung nicht tragen können.

Welche Probleme treten bei unüberlegten Tieranschaffungen auf?

AS: Das Hauptproblem ist, dass Tiere oft unüberlegt angeschafft werden, aus dem Wunsch heraus, einem Tier zu helfen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Dies kann zu hohen Kosten führen, wenn das Tier krank wird, oder wenn es Verhaltensprobleme hat, die behandelt werden müssen. Es ist wichtig, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein.

Wie könnte man das Bewusstsein für verantwortungsvolle Tieranschaffungen stärken?

AS: Es wäre wichtig, von Anfang an den Grund für die Anschaffung eines Tieres zu nennen. Menschen sollten sich bewusst sein, dass die Entscheidung für ein Tier gut überlegt sein muss und nicht aus einem impulsiven Wunsch heraus getroffen werden sollte. Es ist besser, sich Zeit zu lassen und sicherzustellen, dass das Tier gut ins Leben passt.

Mit den wertvollen Ratschlägen von Frau Dr. Anne Schilling wird klar, wie entscheidend es ist, sich gut zu überlegen, ob man sich ein Haustier zulegen möchte. Denn schließlich sind unsere tierischen Begleiter viel mehr als nur Geschenke – sie werden zu geschätzten Familienmitgliedern, mit denen man eine langanhaltende Bindung eingeht.

Daher ist es ratsam, die Anschaffung eines Haustiers sorgfältig zu planen und gut zu überlegen.

Titelbild von Alexandra W/peopleimages.com und Evgenia Tiplyashina