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Wo ist Moppi? Mit dieser Frage startete im vergangenen Jahr die wohl größte Suchaktion in Chemnitz nach einem Stofftier.  Doch nicht irgendeins. Nein, DAS Lieblingskuscheltier von Maya aus Krefeld ging verloren. Eine Geschichte von Tränen, Hoffnung und einem Happy End.

Es war der 29. Oktober 2023, als Tina Bender, Mayas Mama, die gebürtig aus Chemnitz kam, bei ihrem Besuch der Eltern in der alten Heimat einen gemütlichen Abend im Lokal „Die Ausspanne“ verbringen wollte. Auf dem Rückweg bemerkte sie plötzlich: „Halt, wo ist Moppi?“. Der treue Begleiter ihrer zu diesem Zeitpunkt zehnjährigen Tochter war verschwunden.  Weg. Alle Suchaktionen in näherer Umgebung waren vergebens. Maya, die wegen der Schule zuhause geblieben war, saß traurig in ihrem Kinderzimmer. Da, wo Moppi, ihr Plüschtier sonst auch ist. Doch er war weg. „Da saß ich nun mit einem weinenden Kind, das Angst um sein geliebtes Kuscheltier hatte“, erzählt Papa Michael. Dieser setzte nun alles in Bewegung, um Moppi wieder zurück nach Krefeld zu bekommen. Er kontaktiert am nächsten Tag prompt mehrere Zeitungen in Chemnitz. Als einzige nahm sich der WochenENDspiegel der Geschichte an. „Wir haben nicht lange überlegt“, meint die stellvertretende Chefredakteurin Judith Hauße.

Das WochenENDspiegel-Team, unter dem sich selbst Fans der plüschigen Freunde befinden, war berührt von der Geschichte. „Es war wohl die außergewöhnlichste Vermisstenanzeige, die wir je aufgegeben haben. Aber wir wollten der Familie, die seit dem Vorfall ein weinendes Kind zuhause hatte, unbedingt helfen.“

Ein Jahr lebt Plüsch-Moppi bereits bei der Familie, erzählt Maya. Er sei auch schon gemeinsam mit ihr in den Urlaub geflogen. „Damit er noch viele weitere Reisen mit machen kann, sind nun Sie, liebe Leserinnen und Leser aufgerufen: Haben Sie Moppi gesehen?“ – so lautete der erste Aufruf in der Zeitung.  Der Artikel enthielt außerdem eine genaue Beschreibung: 25 cm groß, braun, man kennt ihn aus dem Sandmännchen, heller Fleck auf der Nase. Michael Bender war sogar bereit, dem ehrlichen Finder, 75 Euro auszuloben. Seine Bitte: „Bitte die Nase fotografieren, denn hieran können wir einwandfrei “unseren Moppi” identifizieren.”

Sofort bekundeten die Chemnitzerinnen und Chemnitzer ihre große Hilfsbereitschaft, nach dem Kuscheltier Ausschau zu halten. Eine Nutzerin bei Facebook schrieb, sie würde dem Mädchen ihr Stofftier überlassen, wenn Moppi nicht gefunden werde.

Nachdem der Artikel online sowie in der Printausgabe von WochenENDspiegel erschien, meldete sich eine aufmerksame Leserin. Sie hatte Moppi am Tag seines Verschwindens an der Geibelstraße auf dem Boden eines Parkplatzes entdeckt. Daraufhin packte sie ihn in eine Plastiktüte, um ihn vor Regen zu schützen und befestigte diese auf Sichthöhe an ein Verkehrsschild auf selbiger Straße vor dem Haus mit der Nummer 222-224. “Wenige Stunden später war er leider wieder weg”, berichtet Michael Bender. “Es muss ihn also jemand von dort wieder mitgenommen haben.”

Aufgeben wollten die Eltern des Mädchens aber nicht. Mayas Papa bat deshalb den Finder nochmals darum, sich bei der Familie zu melden und das Kuscheltier wieder zu seinem rechtmäßigen Besitzer zu bringen. “Wir erhöhen auch den Finderlohn auf 100 Euro“, versprach er damals.

Über zehn Tage sind seit dem Verschwinden des Plüschtiers vergangen. Eine Leserin aus dem Erzgebirge schickte Maya als Trost drei weitere Kuscheltiere, darunter ein Baby-Moppi. Aber halt leider nicht Mayas Moppi.

Am Abend vor Mayas Geburtstag kam dann der alles entscheidende Anruf: „Eine Dame aus dem Wohnblock hat Moppi bei mir vorbeigebracht“, erzählt Frau Fischer Mayas Papa am Telefon. Sie hatte das Plüschtier vor dem erneuten Verschwinden an das Verkehrsschild gehängt. Wenig später habe sich die Frau aus der Nachbarschaft bei ihr gemeldet, als diese merkte, dass da ein Kind aus Krefeld tot traurig gewesen ist. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr sich Maya gefreut hat, als sie erfuhr, dass Moppi wieder da ist. Sie hüpfte und sprang vor Freude.“, erzählt Papa Michael. “Wir möchten uns auf diesem Weg noch einmal herzlich bei allen bedanken, auch an die Leserin aus dem Erzgebirge. Maya hat sich sehr gefreut. Das war super lieb!”

Wer jetzt denkt, damit endet es, der irrt. Einige Wochen später berichtet die Rheinische Post über die Geschichte.

WochenENDspiegel schreibt dazu: „Es ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich und beweist, dass es doch noch ehrliche Menschen gibt! Für einige ist es vermutlich “nur ein Kuscheltier”, für die kleine Maya ist es ihr Liebstes auf der Welt. Wir freuen uns, Familie Bender damit ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk gemacht zu haben.“

Titelbild von Michael Bender